MU17 Elite - Abschlussbericht: Der Trainer zieht Bilanz

Nach überraschend gutem Start zu wenige Körner im Tank und viel Lehrgeld bezahlt - Grosser Erfolg auf organisatorischer Ebene

Heute vor einem Jahr konnten die «Aufsteigerjungs» von Fortitudo den Aufstieg ins MU17 Elite bejubeln. Davon profitieren werden sie aber nicht, da sie fast geschlossen in die MU19 gehen. Die Erben waren die talentierten Jungs aus der MU15 Elite. Der Start in die Saison war sehr ungewiss. Fortitudo war seit Jahren nicht mehr im MU17 Elite und es war eine total neue Mannschaft mit neuen Trainern. Keiner wusste genau, wohin diese Reise führen wird. Klar war, dass da viel Talent in den einzelnen Akteuren steckt, man aber auch die jüngste Mannschaft ohne einen erfahrenen Leader in der Liga sein wird. Ebenfalls bekannt war, dass in den U15-Jahren eine Hierarchie fehlte, welche das Kollektiv stützt und zu Erfolgen hätte führen können.

In der Vorbereitungsphase I wurde praktisch ausschliesslich an der 3:2:1-Deckung gefeilt und dann vor den Ferien an der LakeSideChallenge getestet. Der Auftritt in Thun zeigte erste Vergleiche mit Ligagegnern auf, doch konnte daraus kaum ein Fazit gezogen werden. Die Forti-Jungs gingen also weiterhin mit einer Ungewissheit bzgl. des Standes in der Liga in die Sommerpause. Während der Sommerpause fand der U17-Förderlehrgang statt. Sehr erfreulich schafften es nach einer gefühlten Ewigkeit mit Joel Peyer (Stammverein Rover Wittenbach) und Andrin Schneider (Stammverein KTV Wil) wieder einmal zwei Spieler in ein Nationalteam. Loris Zeller (Stammverein TV Appenzell) scheiterte knapp, konnte aber einen guten Eindruck hinterlassen.

Nach der Sommerpause blieb dann nicht mehr lange Zeit ein Angriffskonzept zu erarbeiten. Durch weitere Testspiele und Turniere wurde langsam klar, dass man sich in der Saison wohl nicht zu verstecken hat, es aber auch keinen Spaziergang wird. Sämtliche Teammitglieder waren extrem motiviert, endlich in die Saison zu starten. Das erste Elitespiel hatte es mit dem Derby gleich in sich. Die Forti-Jungs bestanden den Test mit Bravour und liefen mit einem Kantersieg vom Platz. Es zeichnete sich bereits ein Machtwechsel in der Ostschweizer Nachwuchsbewegung ab. Besonders zufrieden stimmte die Deckungsleistung mit lediglich 18 erhaltenen Toren. Den Feinschliff nach den ersten Spielen holten sich die Schwarz-Weissen im Trainingslager in Hard in den Herbstferien. Dort war der Fokus auch auf vielen Teambuildingevents gelegt. 

Nach einem kurzen Ausrutscher gegen HC GS Stäfa kamen die Ostschweizer in einen regelrechten Lauf, der mit dem Heimsieg gegen den haushohen Favoriten aus Winterthur seinen Höhepunkt fand. Unglaublich, wer hätte gedacht, dass die jungen und unerfahrenen Gossauer nach dem ersten Meisterschaftstrimester auf dem dritten Tabellenplatz stehen und mit Chancen auf den zweiten Platz nach Genf fahren werden? Speziell war der Umstand vor allem weil die Trainer mit den Leistungen in den Trainings nicht wirklich zufrieden waren. Doch im tollen Erfolg schien ein Teamgefüge und die Selbstverständlichkeit eines Siegers zu reifen. Von Überall kam Lob. Ja einige Spieler nahmen bereits grosse Ziele in den Mund, obwohl die Trainer mit dem Mahnfinger auf die Trainingsleistungen verwiesen und man grosse Töne auch mit harter Arbeit bestätigen muss. Nichtsdestotrotz, die Jungs hatten es natürlich verdient den Erfolg ein wenig zu geniessen. Das hatte so niemand erwartet und war ganz bestimmt auch der Höhepunkt der Saison.

Doch der Unterton im oberen Textabschnitt lässt Sie wohl nichts Gutes vermuten. Das von Aussen betrachtet stark erscheinende Gerüst kam aufgrund weniger Einwirkungen vor der Winterpause nochmals mächtig ins Wackeln. Topscorer und einer der wenigen "Alten" im Team Bischofberger verletzte sich in der Freizeit und zum Teil wollte das Glück nicht auf Gossauer Seite sein.

Nach einer Reise quer durch die Schweiz war man den "grossen Tönen" bzgl. Play Off Platz ganz nah! Bis kurz vor Schluss waren die Ostschweizer im fernen Genf in Führung. Doch in den letzten Minuten wurde man von den Umständen und den Schiedsrichtern regelrecht überrannt. Es war ein herber Dämpfer mit dem entscheidenden 7-Meter nach abgelaufener Zeit, der in einer langen Zugfahrt auf die Stimmung drückte. Doch die Ausgangslage hat sich immerhin nicht verschlechtert. Die Aussicht im direkten Duell in der Handballhochburg in Schaffhausen gegen ein Ensemble von Nationalspielern um den zweiten Platz zu spielen, schien die Fortianer zu lähmen. "Die naiven Ostschweizer" staunten die erste Viertelstunde so sehr, dass das Spiel gelaufen war. Im letzten Spiel traf man dann ersatzgeschwächt auf die am Saisonende im Play Off stehenden Zürcher. Einige Stammkräfte waren mit der MU19 zeitgleich beim wichtiger gewerteten Aufstiegsspiel in Solothurn. Doch die übrig gebliebenen Jungs schlugen sich tapfer gegen die fast übermächtigen Zürcher, ja waren sogar in der Pause unter der Regie von Gianni Keller in Führung. Doch am Ende reichte es knapp nicht. Man überwinterte trotz schwachem Ende auf dem dritten Tabellenplatz und hatte die zahlenmässig zweit beste Deckung der Liga vorzuweisen, was doch mehr war, als erwartet werden durfte.

Im Heimtrainingslager in der ehrenwürdigen Rosenauhalle wurde vier Tage lang an den individuellen Fähigkeiten gearbeitet. Mit müden Beinen spielte die Kramer/Osterwalder-Equipé den heimischen und gut besetzten Züri-Cup. Die Forti-Jungs haben die letzten Meisterschaftsniederlagen sichtlich gut verarbeitet. Trotz Müdigkeit und mit dem wieder genesenen Bischofberger konnte weder Pfadi Winterthur, noch die HSG Nordwest und auch nicht Handball Bregenz den Forti-Karren ins Stocken bringen. Die Deckungsvariante mit der 6:0 mit dem körperlich starken Peyer und dem schnellen und antizipativen Bischofberger im Innenblock und den Haudegen Zeller/Rügge auf den Halbpositionen schien echt zu fruchten. Leider konnte diese vorweggenommen in der Rückrunde nie wirklich zum Zuge kommen, weil zu viele der vier erwähnten Spieler ausfielen. Weiter konnte mit Sostizzo und Conscience dank dem bereits frühzeitig erreichten Ligaerhalt im MU15 zwei junge Spieler ihre ersten Erfahrungen auf U17-Niveau sammeln.

Zuversichtlich und mit viel Vorfreude wurde die Rückrunde und das Derby zum Start erwartet. Doch vom scheinbar eingepflanzten Siegergen war Nichts zu sehen. Fünf Minuten vor Schluss war der sich auf dem Abstiegsplatz befindende TSV ST. Otmar mit drei Toren Vorsprung in Front. Es war vor allem in der Offensive ein desolater Auftritt der Fürstenländer im Derby. Dank einem Energieanfall von Zeller konnte wenigstens der Ausgleich noch erreicht werden. Der aufmerksame Beobachter stellte fest, dass die Rückrunde wohl nicht zum Spaziergang wird. Die Trainingsleistungen waren zu schwach und bei einigen Spielern, darunter vor allem Leistungsträger konnte eine klare Fokusverschiebung erkannt werden. Diese ist in diesem Alter ein Stück weit Programm und verständlich. Doch es war zum Teil fern von Leistungssport was einige Akteure auf und vor allem neben dem Platz ablieferten. Spiele vom FC St. Gallen, der Ausgang am Vorabend, die Appenzeller Fasnacht und das Organisieren vom Programm nach dem Spiel war plötzlich im Vordergrund. Speziell, dass es vor allem diese Spieler waren, die noch in der Hinrunde das Wort «Play Off» in den Mund nahmen. Schön, dass sich ein Teamgefüge und eine Hierarchie entwickelte - sehr unschön aber dass sich diese Hierarchie nicht dem Handball, sondern den Programmpunkten neben dem Handball widmete. Diese Ausgangslage spitzte sich in der Kanterniederlage gegen die in der Hinrunde noch geschlagenen Aargauer zu. Die Trainer mussten die Leine rapide verkürzen, einige Akteure zur Brust nehmen und deutliche Worte finden. Die Reaktion folgte prompt. Die Trainingsleistungen waren wieder besser und mit dem Sieg gegen Bern schien der Rank gefunden. Weiter ging es im Programm. Die Gossauer befanden sich plötzlich im Niemandsland der Tabelle wieder. Weder nach Oben noch nach Unten war nicht mehr viel möglich. Die Verantwortlichen nutzten diese Situation das Sportliche in den Hintergrund zu stellen und sich nur noch der Entwicklung der einzelnen Spieler zu widmen. Die Trainings und das Coaching sollten darauf ausgerichtet werden. Einige Spieler nutzten diese Chancen und konnten deutliche Fortschritte verzeichnen. Leider ist es noch nicht gelungen, diese auch im Spiel anzuwenden, doch das braucht natürlich auch Geduld und Trainingsstunden. Der knappe Sieg in Lausanne kam dem Team dann leider gleich in dreierlei Hinsicht teuer zu stehen. Einerseits fiel der Deckungschef Peyer verletzungsbedingt den Rest der Saison aus. Weiter passierte Trainer Kramer ein Fauxpas, weil er die TFL von Rügge zum KTV Wil übersah und ihn zu oft im MU19 einsetzte, was bedeutete, dass der Captain den Rest der Saison nicht mehr im U17 spielen durfte. Last but not least interpretierten einige Spieler die Ausgangslage so, dass man sich nun auf einer Heimreise mit Bier vergnügen durfte. Es artete leider so aus, dass einige Spieler deutlich verwarnt werden mussten. Durch diese drei Umstände verloren die Ostschweizer mächtig an Körner. Zum Glück war das Minimalziel Ligaerhalt bereits frühzeitig in trockenen Tüchern. Es war klar, dass der Rest der Saison schwer wird.

Da kam das Internationale Turnier in Biberach (D) gerade recht. Das Team fand sich nach Niederlagen in der Gruppenphase wieder. Es wurde wieder ein Vertrauen aufgebaut. Das Verhalten war nach den Querelen absolut vorbildlich und das Turnier konnte mit drei Siegen einen positiven Abschluss finden. Speziell in der Deckung konnte man trotz körperlich absoluter Unterlegenheit ein System finden, Spiele zu gewinnen. Bischofberger und Osterwalder spielten sich in einen Lauf und Schlussmann Niedermann schien sein Potential langsam zu bestätigen.

Die letzten, resultatmässig unbedeutenden, Spiele nutzen einige Spieler um einen weiteren Schritt zu machen. Hier darf speziell Linkshänder Kuhn ein Kompliment gemacht werden, der den Capitano vor allem in der Offensive sehr gut vertrat und auch im athletischen Bereich Fortschritte machte. Man darf gespannt sein, zu was er fähig ist, wenn er physisch austrainiert sein wird. Weiter kam der bislang wenig eingesetzte Kreisläufer Mosimann nach langer Angewöhnungsphase an den Leistungssport zu viel Einsatzzeit. Die gewonnene Sicherheit konnte er im letzten Spiel in der Offensive mit vier Toren zeigen. Der junge Schneider rückte in den Rückraum auf, weil Zeller die letzten Spiele leider allesamt aus Krankheitsgründen verpasste. In der Offensive hat er grosses Potential gezeigt. Doch die Defensive war mit den vielen Ausfällen von vor allem körperlich starken Spielern immer schwerer zu stemmen. So gingen die letzten Spiele allesamt verloren. Obwohl man nicht mehr gross auf die Resultate und die Tabelle geschaut hat, war es ein mühsames Ende. Es entwickelte sich ein Frust. Viele konnten in den Trainings klare Fortschritte verzeichnen, doch am Wochenende war man dann doch immer wieder der Geschlagene. So zahlten die Fürstenländer im letzten Trimester viel Lehrgeld.

Schlussendlich und rückblickend dürfen die Gossauer Handballer stolz auf ihre Anfangsphase und den frühzeitig erreichten Ligaerhalt sein. Es darf nicht vergessen werden, dass man die jüngste und deutlich unerfahrenste Mannschaft und Cheftrainer der Liga war. In Spielen wie beim Sieg gegen Pfadi Winterthur oder beim Züri-Cup konnte bewiesen werden, dass da viel in der Mannschaft steckt. Die Jungs gehören zu den Talentiertesten der Liga bzw. der Schweiz. Doch es ist bis zum Schluss nicht gelungen eine Hierarchie und eine Einheit auf dem Feld hinzukriegen. Es kristallisierten sich keine Leadertypen heraus, welche den Karren in den schwierigen Momenten auffangen hätten können. Am Ende wiederspiegelt die Tabelle wohl die Einstellung in vielen Trainings wieder.

In der Endphase bezahlte man viel Lehrgeld, welches man im nächsten Jahr hoffentlich einsetzen kann. Zweifelsohne wird man in der kommenden Saison weit Oben mitspielen können. Es werden bereits wieder von einigen Spielern "grosse Töne" gespuckt, welche natürlich ein Stück weit ihre Berechtigung haben. Doch auch hier muss wieder der Mahnfinger gezeigt werden. Die Trainercrew wird Trainingsleistungen viel konsequenter einfordern und Fehlverhalten, wie es in der verlaufenen Saison vorkam nicht mehr tolerieren. Für die Kaderzusammenstellung konnte aus 27 (!) talentierten Spielern selektiert werden. Es hat also einiges an Potential auf Stufe U17 im Fürstenland und viele hungrige Spieler, die noch so gerne einen Platz im, nach dem Totalabsturz mit Abstiegen auf allen drei Stufen bei Otmar, letzten Flagschiff der Ostschweiz auf Stufe U17 hätten.

Der grösste Erfolg darf Fortitudo Gossau resp. das RLZ Fürstenland auf der organisatorischen Ebene verzeichnen. Dank den erfolgreichen Jahren mit den vielen Aufstiegen, einem unermüdlichen Einsatz vom Sportlichen Leiter Peter Streuli und der mittlerweile sehr positiven und konstruktiven Zusammenarbeit mit den sieben Partnervereinen konnte die Anmeldung für das Swiss Olympic Rookie Label gemacht werden. Die Nachwuchsabteilung in Gossau wird also auch diesbezüglich in der kommenden Saison das Flagschiff der Ostschweiz sein. Die Juniorenausbildung ist nun von Swiss Olympic zertifiziert und finanziell unterstützt. Diese Zertifizierung ist ein weiterer grosser Schritt in der Professionalisierung. Doch diese Professionalisierung wird nun auch von den Junioren erwartet. Der Fokus muss auf dem Handball liegen. Weiter werden ab sofort vier Trainings pro Altersstufe durchgeführt, damit die "Rookie-Spieler" die geforderten Umfänge trainieren können. Ebenfalls erfreulich ist, dass sich mit Stadler (Stammverein TSV Fortitudo Gossau) und Schneider (Stammverein KTV Wil) zwei Spieler der United School of Sport anschliessen und hart an ihrer Karriere feilen werden.

Zum Abschluss möchte ich mich als Cheftrainer noch bei allen Eltern, Unterstützer, dem Verein, den Sponsoren, Roland Peyer (Fotos) und im Speziellen bei meiner Crew mit Urs Osterwalder (Assistent), Cyril Bleiker (Assitent) Beat Gächter (Athletik), Aurel Bringolf (TW-Trainer) und last but not least Peter Streuli (Leitung Nachwuchs) und dem Physioteam von Sarah Eberhard bedanken. Ohne euren Einsatz wäre dieser Betrieb nicht möglich.

Die Vorfreude auf die neue Saison steigt bereits.

Viel Spass in der Saisonpause, in der der Fokus natürlich nicht auf dem Handball liegen sollte. ;-)

Die Diashow zum Saisonabschluss: Diashow Saison 2017/18

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