MU17 Elite - Mentaler Unterschied sorgt für Hitchcockderby

Gemischte Gefühlslage nach Punkt(gewinn/verlust)

TSV Fortitudo Gossau - TSV St. Otmar 24:24 (14:11)

Nach einem absolut positiven Start in die Elitesaison zeigten die Fürstenländer gegen Ende der Hinrunde in Spielen gegen Topteams leider zu wenig Cleverness, weswegen sie dann an Weihnachten trotzdem im Mittelfeld der Tabelle zu finden waren. Dies war z.T. auch dem Fokus auf den MU19-Aufstieg im ganzen Verein, welcher dann gelang, geschuldet. Doch es fehlte auch an einer Professionalität in Training und Spiel, welche die Aufsteigerjungs noch an den Tag legen lernen müssen.

Über Neujahr wurde nicht nur viel gegessen. Nein es wurde im Trainingslager auch fleissig trainiert und beim heimischen Züricup gegen die Topteams HSG Nordwest, Bregenz Handball und Pfadi Winterthur souverän der Turniersieg geholt. Man war zuversichtlich für die Rückrunde. Zumal man sich beim Rückrundenstart auf ein Derby in der heimischen Buechenwaldhalle freuen durfte.

Die Ausgangslage sprach stark für das Heimteam, welches gegen den auf dem Abstiegsplatz stehenden Kantonsrivale eigentlich nur gewinnen konnte. Vielleicht war es die klare Ausgangslage, die fehlende Einstellung im Training und in der Spielvorbereitung oder die bissigen Otmärler oder einfach eine Mischung aus allem, was dafür sorgte, dass dem Spielbericht vorweggenommen leider lediglich Spielmacher Stadler und Linkshänder Osterwalder ihr Niveau erreichten.

Der erste Angriff war schon vielversprechend. Mit einem herrlichen No-Look-Pass und anschliessendem Tor von Stadler zu Kreisläufer Peyer eröffneten die Forti-Jungs das Derby. Doch leider war auch schon ab dem ersten Angriff der Otmar-Jungs klar, dass die körperlich überlegenen Fürstenländer keine gute Deckungsarbeit leisteten. Zu wenig Beinarbeit, Aggressivität, Wille, Kampf und Cleverness war die Grundlage von einfachen Rückraumtoren der St. Galler.

Der Plan der Gossauer mit einfachen Gegenstosstoren nach erfolgreicher Deckungsarbeit das Spiel für sich zu lancieren, funktionierte folglich nicht wirklich. Zum Glück gelang es wenigestens in der Offensive die Bälle immer wieder bis zu den Aussenspielern zu transportieren, wo dann Schneider und Osterwalder oft einnetzten. Nach einem Wachrütteln im Time Out überzeugten die Fürstenländer mit einem 3:0-Lauf und konnten zum ersten Mal davon ziehen. Die 3-Toreführung hielt bis zur Pause hin. Doch den Trainern und wohl auch vielen Zuschauern war klar, dass die Heimmannschaft mit einem höheren Polster in die Pause hätte gehen müssen. Taktisch, technisch und athletisch war man eigentlich völlig überlegen. Doch bekanntlich spielt der mentale Bereich auch eine wichtige Rolle.

Das Trainerduo Kramer/Osterwalder versuchte in der Pausenbesprechung ihren Spielern wortwörtlich Beine zu machen. Sie waren mit der Leistungsbereitschaft und Disziplin vor allem in der Deckung überhaupt nicht zufrieden. In jedem Angriff der Gäste erlaubte sich wieder ein Spieler eine Unkonzentriertheit, Bewegungsfaulheit oder Undiszipliniertheit. Doch die Message schien überhaupt nich anzukommen. Der Start in die zweite Hälfte verpasste das Heimteam völlig. Ausreden statt bissige Fortispieler waren zu hören bzw. sehen. Die Otmärler holten mit viel Kampfgeist und Wille ein 14:11 zu einem 16:18 auf. Wieder waren es, die in der Pause angesprochenen, mentalen Schwachpunkte der Gossauer, welche es dem Underdog ermöglichte, weiter in Führung zu gehen. Ein Deckungswechsel mit Zeller auf der Halb Links Position schien die Lösung zu sein. Die Schwarz-Weissen konnten ihrer Favoritenrolle endlich gerecht werden und wieder einen 2-Torevorsprung herausholen. Doch dann hatten die jungen Schiedsrichter etwas gegen den zu erwartenden Spielverlauf. Mit zwei, dem Schreibenden immer noch nicht verständlichen, Zweiminutenstrafen gegen Rügge und Osterwalder machten sie das Spiel wieder spannend. Die Otmärler wussten die Geschenke anzunehmen und die Forti-Jungs wussten nicht was mit ihnen geschah. So Stand es drei Minuten vor Schluss 24:21 für die Gäste. Im Time Out wurde der Plan zur kaum für möglich gehaltenen Aufholjagd geschmiedet. Mit einer 5:0+1-Deckung wollte man die Gegner zu Fehlern in der Offensive zwingen und zu schnellen Toren kommen. Irgendwie meinte es dann der Handballgott gut mit den Gossauern. Gleich mehrmals war das Glück auf ihrer Seite. Dazu kamen mit Inauen und Zeller zwei bissige Appenzeller, welche das Spiel für ihr Team noch zu einem Unentschieden drehten.

Diese Aufholjagd war kurzfristig gedacht natürlich zum jubeln. Doch wenn man sich die Ausgangslage und das ganze Spiel anschaut, muss man leider von einem verlorenen Punkt sprechen. Trotz taktisch, technisch und vor allem athletischer resp. körpericher Überlegenheit gelang es den Gossauern nicht dieses Spiel für sich zu entscheiden. Der Unterschied im mentalen Bereich war zu frappant und es wurde wieder einmal klar aufgezeigt, welche Bedeutung der Kopf im Handball hat. Alle Akteure bis auf Stadler und Osterwalder spielten unter ihrem Niveau. Der Schreibende hofft, dass sich die Spieler nach dem durchaus berechtigtem Jubeln über den in Extremis gewonnenen Punkt, nun ihre Gedanken bezüglich Einsatzwille, Leistungsbereitschaft und Konzentration in Training und Spiel machen werden. Will man auf diesem Niveau überzeugen, reicht das so nicht aus. Es braucht nebst einem athletischen Körper, gutem Handgelenk und einem taktischen Konzept halt auch eine gewisse Dreckfressermentalität im Handball.

Die Ausgangslage ist für den Aufsteiger nach wie vor vielversprechend. Mit einem Sieg am nächsten Samstag gegen die anderen Gelb-Schwarzen der Liga aus Stäfa könnte der fünfte Platz erklommen werden. Doch dafür braucht es nicht nur Taktik, Technik und Athletik sondern eben auch eine entsprechende Einstellung, Vorbereitung und Trainingswoche. Es wird ein wegweisendes Spiel sein, da es so oder so einen Graben in der Tabelle geben wird. Die Fürstenländer müssen die Chance ergreifen, oben mitspielen zu können.

Den Punkt gewonnen haben: Gönültas, Zeller (4), Osterwalder (4), Verlezza, Inauen (1/5), Stadler (1), Bischofberger (1), Peyer (2), Mitrovic, Rügge, Kuhn, Schneider (6), Mannhart (29%) und Niedermann (31%) gecoacht von Kramer, Osterwalder und Mosimann (gesperrt)

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